Der Ochse und sein Hirte                  

westliche Malerei von Sulpicius

Als poetische Allegorie, aus dem alten China vor fast 1000 Jahren für den Zen Weg gedacht, inspirierte mich diese im Zen Buddhismus bis heute bekannte Geschichte, in westlicher Malerei zu veranschaulichen.

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 Bild 1

Verlassen in endloser Wildnis schreitet der Hirte dahin durch wucherndes Gras und sucht den Ochsen. Weit fließt der Fluss, fern ragen die Gebirge, und immer tiefer ins Verwachsene läuft der Pfad. Doch findet der suchende Hirte keine geleitende Richtung. Im Dämmer des Abends hört er nur Zikaden auf dem Ahorn singen. 

 Bild 2

Unter den Bäumen am Wassergestade sind hier und dort die Spuren des Ochsen dicht hinterlassen. Hat der Hirte den Weg gefunden inmitten des dicht wuchernden Grases?  Wie weit auch der Ochse laufen mag, bis in den hintersten Ort des tiefen Gebirges, reicht doch seine Nase in den Himmel. 

 

Bild 3

Auf einmal erklingt des Buschsängers helle Stimme oben im Wipfel. Die Sonne strahlt warm, mild weht der Wind, am Ufer grünen die Weiden. Es ist kein Ort mehr, dahinein der Ochse sich entziehen könnte. So schön das herrliche Haupt mit den ragenden Hörnern, dass es kein Maler erreichte. 


Bild 4

Nach höchsten Mühen hat der Hirte den Ochsen gefangen. Zu heftig noch dessen Sinn, die Kraft noch zu wütend, um leicht seine Wildheit zu bannen. Bald zieht der Ochse dahin, steigt fern auf die hohen Ebenen, bald läuft er weit in tiefe Stätten der Nebel und Wolken und will sich verbergen.

 

Bild 5  in Arbeit

Von Peitsche und Zügel darf der Hirte seine Hand keinen Augenblick lassen, sonst stieße der Ochse mit rasenden Schritten vor in den Staub. Ist aber der Ochse geduldig gezähmt und zur Sanftmut gebracht, folgt er dem Hirten von selbst ohne Fessel und Kette. 


Bild 6

Der Hirte kehrt heim auf dem Rücken des Ochsen, gelassen und müßig. In den fernhin ziehenden Abendnebel klingt weit der Gesang seiner Flöte. Takt auf Takt und Vers auf Vers tönt die grenzenlose Stimmung des Hirten. Hört einer auf den Gesang braucht er nicht noch zu sagen, wie es dem Hirten zumute. 

Bild 7

Schon ist der Hirte heimgekehrt auf dem Rücken des Ochsen. Es gibt keinen Ochsen mehr. Allein sitzt der Hirte Müßig, und still.  Ruhig schlummert er noch, da doch die rot brennende Sonne schon hoch am Himmel steht. Nutzlose Peitsche und Zügel, weggeworfen unter das stroherne Dach. 


 Bild 8

Bild Peitsche und Zügel, Ochse und Hirt sind spurlos zu Nichts geworden. In den weiten blauen Himmel reicht niemals ein Wort, ihn zu ermessen. Wie könnte der Schnee auf der rötlichen Flamme des brennenden Herdes verweilen? Erst wenn ein Mensch in diesen Ort gelangt ist, kann er den alten Meistern entsprechen. 

 

Bild 9

In den Grund und Ursprung zurückgekehrt, hat der Hirte schon alles Vollbracht. Nicht ist besser, als jäh auf der Stelle wie blind zu sein und taub, In der Hütte sitzt er und sieht keine Dinge Da draußen. Grenzenlos fließt der Fluss, wie er fließt. Rot blüht die Blume wie sie blüht. 


 Bild 10

Mit entblößter Brust und nackten Füßen kommt er herein auf den Markt. Das Gesicht mit Erde beschmiert, der Kopf mit Asche über und über bestreut. Seine Wangen überströmt von mächtigem Lachen. Ohne Geheimnisse und Wunder zu mühen, lässt er jäh die dürren Bäume erblühen. 

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